Motivation

Müssen wir Erwartungen erfüllen?

Fremde Erwartungen: 

Andere Menschen werden immer Erwartungen an uns stellen, offen ausgesprochen oder im Stillen. Diese orientieren sich an deren Maßstäben.  Wir sind aber nicht verpflichtet sie zu erfüllen.  

Verpflichtet, das sagt schon das Wort, sind wir nur zu dem, was wir versprechen. Wir verpflichten uns also selbst. Nur dazu müssen wir stehen. Anderer Leute Erwartungen sind deren Problem. 

Eigene Erwartungen: 

Wir wollen wachsen und uns weiterentwickeln. Entsprechend wollen wir alte Leistungen immer wieder überbieten. Die Erwartungen an uns selbst orientieren sich also meist, an unseren Bestleistungen. Ist das fair? 

Elizabeth Gilbert (Eat, Pray, Love), hat in einer Rede (wahrscheinlich TED) zu diesem Thema gesprochen. Ihre Perspektive auf das Problem war interessant, sie fragte nämlich: 

“Was wäre, wenn du wüsstest, dass dein größter Erfolg bereits hinter dir liegt?” 

Finden wir dann gar keine Motivation mehr? Ist plötzlich alles sinnlos, weil wir sowieso nicht mehr besser werden können? 

Nein. Was wir vor einem Jahr waren ist Vergangenheit. Nur die Gegenwart ist wichtig. Wenn wir heute, mit dem was wir tun wollen einen positiven Beitrag leisten können, dann müssen wir es tun. Wenn nicht, dann müssen wir etwas anderes tun.  

Erwartungen entstehen meist unüberlegt aus vergangenen Erfahrungen. Unsere Leistung dürfen wir nicht an ihnen messen.  

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Extrinsische Motivation

Im Gegensatz zu dem, was ich gestern geschrieben habe: 

Manchmal können wir uns nicht selbst motivieren und finden keinen Anfang. Wir springen nicht über unseren Schatten. Hier ist die Angst zu scheitern so groß, dass sie die Sehnsucht nach Erfolg übertrifft.

In diesen Fällen kann es Sinn machen, wenn uns jemand ein bisschen beim Anschieben hilft. 

Belohnungen können der nötige Anschubser sein, um uns ins Tun zu bekommen. Zu dem intrinsischen Wunsch kommt also noch ein extrinsischer Bonus.  

Beim nächsten Mal ist der Bonus dann nicht mehr nötig, denn die Angst ist durch das Erfolgserlebnis kleiner geworden. Der Wunsch behält auch alleine die Oberhand. 

Allerdings müssen wir darauf achten, dass sich der Erfolg auch realistisch einstellen kann. Denn Rückschläge sorgen dafür, dass unser Bonus von Mal zu Mal größer werden muss. 

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Inspiration, Motivation, Zeitverschwendung

Dieses Zitat ist von Chuck Close:

“Inspiration is for amateurs. The rest of us just show up and get to work. If you wait around for the clouds to part and a bolt of lightening to strike you in the brain, you are not going to make an awful lot of work. All the best ideas come out of the process; they come out of the work itself.”

Ich kenne Chuck Close nicht weiter. Ich weiß nur, dass er (ein wohl ziemlich erfolgreicher) Maler ist und diese tolle Aussage über Inspiration getätigt hat.

Das Gleiche gilt übrigens für Motivation.

Profis brauchen nicht inspiriert oder motiviert werden. Ihre Arbeit/Kunst an sich ist ihr Motiv und beim Tun kommen sie auch auf Ideen.

Die Zeit, die für bewusste Inspiration oder Motivation aufgewendet wird, ist verschwendet.

Besser ist es aufzustehen – oder sich hin zu setzen, je nach Tätigkeit – und seine Arbeit zu machen.

P.S.: Ausnahmen bestätigen die Regel: Artikel: Extrinsische Motivation

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Selbstwert und Wertschätzung

Selbstwert ist der Wert, den wir uns selbst, bzw. unserer Leistung, unseren Erfolgen usw. Beimesse. 

Wertschätzung ist die uns von anderen entgegen gebrachte Aufmerksamkeit, der Dank, die Bewunderung für unsere Leistungen, Erfolge usw. 

Wir alle sehnen uns nach Wertschätzung. Bei manchen Menschen geht das so weit, dass sogar ihr Selbstwertgefühl davon abhängt. Das ist höchst problematisch, denn diese Menschen sind getrieben von externen Erwartungen. Ihre Zufriedenheit mit sich selbst hängt von der Beurteilung anderer ab. 

Dabei ist es fast unmöglich von den Anderen auf die Art gesehen zu werden, wie wir uns das selbst wünschen. Für uns alle spielen wir selbst – und nur wir – die Hauptrolle in diesem Film (sonder). 

Unsere Leistung ist für andere also nur insofern besonders, wie sie diesen Menschen direkt nutzt oder wie sie es selbst nachvollziehen können. 

Die alltägliche Leistung einer 4-fach-Mutter ist vielleicht für ihre direkte Familie überwältigend wichtig und wird auch wertgeschätzt – sicher auch von Eltern in ähnlicher Situation. Aber Außenstehende ohne Kinder, mit einem Hauptfokus auf Reisen oder Karriere, werden diese Leistung weder verstehen noch wertschätzen. 

Eine hochrangige Managerin mit Verantwortung für ein Millionen-Budget und hunderte Mitarbeiter verdient sich die Anerkennung ihrer Management-Kollegen, Geschäftspartner und Mitarbeiter. Die 4-fach-Mutter oder ein lokaler Kleinunternehmer werden die Leistung aber nur selten einordnen können. 

Allerdings gibt es einen Fakt, der es der Managerin leichter macht, ihre Wertschätzung auch von Fremden zu erhalten. 

Geld natürlich. 

Sie verdient (relativ) viel Geld und dieses ist ein allgemeines Gut zur Wertmessung. 

Viel Geld = hoher Wert. 

Die 4-fach-Mutter, oder auch ein ehrenamtlicher Jugendfußballtrainer oder eine Marathonläuferin mit einer Bestzeit von 2:55 haben es da schwerer. Sie bekommen keine finanzielle Bewertung ihrer großartigen Leistungen. 

Um ihr Selbstwertgefühl zu stärken sollten sie deshalb nicht auf die Meinung von Unbeteiligten hören. Sie sollten sich auf ihre intrinsische Motivation und auf ihr näheres Umfeld konzentrieren.

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Schulnoten sind kontraproduktiv

Bei Schulnoten handelt es sich um Bewertungen und diese sind eine wichtige Form des Feedbacks.  

Aber was wird in der Schule eigentlich bewertet? 

Die Fähigkeiten oder der Mensch?  

“Die Fähigkeiten natürlich,” sagen jetzt Lehrer und sonstige Verantwortliche und gewollt mag das auch so sein. Leider funktioniert es anders. 

Tatsächlich schaffen Noten Vergleichbarkeit und damit Konkurrenz.

Gute Zensuren stehen für hohen Status und den wollen die Kinder natürlich haben. Sie verbringen viel Zeit in der Schule, ihr Leben dreht sich darum. Deshalb ist es auch verständlich, dass sie in diesem Umfeld ein möglichst hohes Ansehen genießen wollen.  

Eigentlich sollten Schüler aber Wissen und Fähigkeiten erlangen um diese dann bewusst anwenden zu können.   

Das Wissen wäre also das Ziel. Der Test oder das Projekt wäre das Hilfsmittel, um es zu erlangen und den Sinn dahinter zu erkennen. 

Tatsächlich sind Schüler, Lehrer, Eltern und die ganze Gesellschaft auf Noten fokussiert – nicht auf Wissen.

So wird also die “gute” Zensur zum Ziel und das Lernen wird als Weg (oder Hilfsmittel) verstanden, um dieses zu erreichen. 

Bewertung ist eine wichtige Art des Feedbacks. Dieses muss aber in passender Form gegeben werden. 

Folgende Punkte sollten an der aktuellen Praxis verändert werden: 

  1. Keine Bewertung ohne vorherige Zieldefinition. Wenn am Ende des Schuljahres eine Note als Feedback für die Leistung vergeben wird, dann muss am Beginn des Schuljahres ein Zielgespräch stattgefunden haben, in dem dem Schüler der Sinn des Stoffes, Etappenziele (z.B. Zwischentests) und die objektiven Kriterien erläutert wurden. 
  1. Ziele und Bewertungen müssen individuell sein. Menschen sind unterschiedlich, so auch ihre Ziele. Wer ein niedrigeres Ziel hat und dieses erreicht, verdient genauso eine 1, wie jemand mit hohen Zielen. Noten sollten nicht versuchen eine Vergleichbarkeit zwischen Menschen herzustellen – das ist gänzlich unmöglich. Sie sollten den individuellen Erfolg auf der Basis individueller Ziele messen. 
  1. Bewertungen müssen geheim sein. In Zeiten, in denen so viel über Datenschutz gesprochen wird wie heute, ist mir völlig unverständlich wie Zensuren offen in der Klasse angesagt, und Zeugnisse vor Ort (an Minderjährige) ausgeteilt werden können. Man stelle sich vor die Prämien-/Erfolgskennziffern im Job würden vor der ganzen Abteilung verlesen werden. Diese Bewertungen sollten (wie auch bei Erwachsenen) unter 4 Augen besprochen und erklärt werden, die Zeugnisse sollten dann postalisch oder elektronisch nach Hause versandt werden. 

Noten bewerten leider nicht die individuellen Fähigkeiten der Schüler, sondern theoretisch die Erfüllung eines zentralen Plans. Praktisch sagen sie aus: “Du bist gut und du bist schlecht.” 

Schade, denn erstens ist die allgemeine Vergleichbarkeit von Menschen eine Illusion und zweitens können Schulnoten diesen Zweck ohnehin nicht erfüllen. Sie sind weder zwischen Bundesländern, noch zwischen einzelnen Schulen, und noch nicht mal zwischen zwei Lehrern der selben Schule vergleichbar. 

Vergessen wir die Zensuren, wichtig sind Wissen und Fähigkeiten. Mittel und Wege um diese glaubhafter zu belegen als durch Schulnoten, gibt es genügend.   

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Schadet Schule unseren Kindern?

Damit habe ich mich in den letzten Tagen stark beschäftigt und ich habe unter anderem gelernt, dass „Framing“ einen unglaublichen Einfluss auf die Antwort hat.

Erzählen wir uns die Geschichte emotional oder schaffen wir es den Fall rational und neutral zu betrachten? Dies ist aber ein Thema für einen anderen Beitrag.

Hier ist das unglaublich schwer doch ich habe es tatsächlich geschafft, bei meiner Aufgabe (es ging um die Erarbeitung einer Entscheidung zu diesem Thema) rational zu bleiben.

Der genaue Anlass ist hier nicht wichtig aber mein Text führte zu Rückfragen. Eben wie Schule unseren Kindern schaden könne. Völlig ohne Vorwurf übrigens, die Frage wurde mir aus aufrichtiger Neugier gestellt.

Auf die Rückfrage habe ich geantwortet und meine Antwort möchte ich gern aufbewahren. Ich denke, dass ich das ganz gut zusammengefasst habe (wenn auch dieses Mal emotional), deshalb poste ich sie hier.


Hi …
thanks for your reply.
Of course I could give you some examples from our life as this is the only thing I can talk about and decide on. Every family and every child is different. That is also why I wouldn’t allow myself proposing on behalf of others. I’m not against school in general, I only would appreciate the possibility to choose without facing legal consequences.

For us it looks like this:
Our two girls are 2 and 9, our boys are 7 and 8. So we have 3 kids at school-age right now.
As you have seen in the table I respect the outcome, school has on social connections. But in the end, they have plenty of contact outside of school too. They have each other, there are other children in our street, they play with, the boys are in the football-club and in the youth fire-brigade.
Our 9-year-old attends music-school and kids-yoga-classes and our youngest also meets same-age-friends (before social-distancing in GER). They also have there grandparents and other relatives nearby. Thats why I’m sure social contact and experience are no problem in our case.

The learning outcomes:
This is kind of a question of belief. We belief, the children’s learning performance is best, when they can follow their interests. They have no chance to do that at school. They have 45min maths, 45min history, 45min biology, 45min german, 45min … We belief this is not how learning works (and we are not alone in this belief, it is quiet common sense, only the public school system keeps it this way).

All of our kids read before they entered school (not Goethe of course but small text-pieces in children’s books) and they also were able to sum up within 1-10. They enjoyed it.

They learned it by themselves during our camping holidays with Tip-Toi-books and with our support. We have read to them loud every evening from their fist weeks of life. It was our ritual. They wanted to learn it and they were so proud. After the first month at school it was gone. No interest in reading anymore.

They also wrote us letters. Not correct of course but it was play for them. They invited us to stage performances, they arranged on their own (circus, including costumes, text, choreography and stage-building). This was also play for them. And in these 1-2 summer-weeks they learned more than in their whole first school year.

Right now my daughter learns sewing. And my youngest son (as simple as that) strongly improves his reading with Super Mario Video Games. It’s a lot of text in there and if he wants to understand he’d better learn.

We encourage that. We take them with us to museums, show them stuff at the computer (eg. Video- and Photo editing), we renovated their Play-House and build their sandbox together where math, art and handicraft is involved (so many possibilities).

If they find a thing of interest, they dive into it deeply. They do nothing else for weeks (we watched that in summer). 45 min this topic and then 45min that topic (like in school) is unnatural.

A long way but this is how we think we can strengthen their self-esteem and their want to live self-determinate. It also leads to their full potential. They try what they love.

At school my son is forced to transcribe a fictional letter from the school-book to improve his hand writing. And he has to sit still for that.

He hates it.

He is 8 years old and wants to run out and play football the whole day. Time will come when he is interested in fine motor skills. Lots of men are surgeons or painters but not at 8. He is full of power now and it has to get out. He could never ever sit still. But he is evaluated for that. He is told that he is not right. And that is what harms their psychological health. Drip by drip for 13 years.

My story is different from yours. I hated school when I was there and I have no (or only little) good memory of that. Maybe I’m biased but it breaks my heart to see my kids suffering a similar way.
Not to get me wrong, our kids do quiet well so far. They are among the best pear group in their classes, well integrated and respected. But even though we see tendencies, that the obedience-trap will catch them.

This was my emotional framing again. And as mentioned before, please don’t take that as a general advice. It’s only our individual story.

Thanks again for your interest.

See you soon
Robert

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Was nutzen Belohnungen

Belohnung ist eine Form der Bewertung. Wenn sie in Aussicht gestellt wird, soll sie motivieren. Die betroffene Person soll sich besonders anstrengen das Ziel zu erreichen.

Wessen Ziel?

Das ist leider nicht mehr klar. Die erhöhte Motivation geht dann nämlich zu Lasten der Identifikation.

Ohne Aussicht auf Lohn verfolgen wir unsere eigenen Ziele, sind intrinsisch motiviert. Durch das Lohnversprechen werden wir zusätzlich extrinsisch motiviert, das Ziel ist ein Externes. Und durch das Fehlen der Identifikation sind die meisten Menschen geneigt nicht mehr als nötig zu tun. Sobald das externe Ziel erreicht, die vereinbarte Belohnung eingefahren ist, stellen Sie die Bemühungen ein.

Wer dagegen eigene Ziele verfolgt ohne von anderen dafür belohnt zu werden, leistet tendenziell mehr.

Und was wenn wir scheitern?

Ziele nicht zu erreichen nimmt uns psychisch mit. Wir fühlen uns weniger wertvoll und schwach. Bleibt jetzt zusätzlich noch die Belohnung aus, verstärkt das den Schmerz. Der Preis der Niederlage wird höher. Die angestrebte Motivation kann so in Stress und Frustration umschlagen.

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