Schule

Extreme Zeiten erfordern mutige Anführer

In extremen Zeiten, wie wir sie auch aktuell erleben, bieten sich riesige Chancen.

Große Veränderungen geschehen wie selbstverständlich, viele sind ratlos und nur wenige haben den Mut, sich an die Spitze zu stellen.

Wer bis vor einem Jahr etwas Konkretes am Bildungssystem verändern wollte, sah sich einem gewaltigen regungslosen Felsbrocken gegenüber. Den allein zu bewegen war faktisch unmöglich.

Heute rollt dieser Brocken mit Karacho den Berg hinab. Es genügt ein zarter Schubs nach links oder rechts, um die Richtung entscheidend zu beeinflussen.

Im Bereich Digitalisierung der Bildung und darüber hinaus könnte man vieles verbessern. Ministerien, Behörden und sogar einzelne Lehrer könnten in ihrem Bereich nachhaltige Veränderungen bewirken.

Dazu müssten Sie jedoch mutig die Führung übernehmen. Das Problem dabei: die Angst vor der Verantwortung für ein eventuelles Scheitern.

In sicheren, überschaubaren Situationen ist es leicht, Vorschläge anzubringen, denn das Risiko ist gering. Schließlich hat man alle Zeit der Welt, um perfekte Konzepte zu entwickeln. Deshalb gibt es in solchen Situationen auch so viele Wortmeldungen. Grundsätzlich ist alles klar, es geht nur noch um Details und wenn man doch im Unrecht war, fällt man weich.

Ganz anders in Extremsituationen. Jetzt braucht man Pioniere mit Visionen und dem Mut, sie umzusetzen, auch wenn sie wissen, dass es vielleicht schief geht.

Weil diese Menschen weit weniger zahlreich sind, haben sie jetzt vielleicht die Chance ihres Lebens. Den wenigen, die heute bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, wird man auch folgen.

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Schule umgekehrt

Schon 10 Jahre ist es her, dass Salman Khan uns allen die Möglichkeit gab, den Schulunterricht effizienter und menschlicher zu machen.

Hier ist sein TED-Talk aus dem Jahr 2011.

Warum effizienter?

Weil es durch Lernvideos möglich geworden ist, den Lehrer zu pausieren und zu wiederholen. 10-, 20-, 100-mal, wenn nötig. Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo, dadurch werden die einen weniger gestresst, die anderen weniger gelangweilt. Am Ende ist das für alle besser.

Warum menschlicher?

Das ist der eigentliche große Wurf an Kahns Idee. Er sieht seine Kahn Academy nicht als kommerzielle Kursplattform für die Nachhilfe. Er möchte, dass in Schulen rund um die Welt damit gearbeitet wird und deshalb sind die Inhalte für alle Menschen kostenlos zugänglich.

Aber “in den Schulen” ist eigentlich falsch. Durch die Lehrvideos kann man die Lehrreihenfolge nämlich umkehren. Bisher findet der Unterricht in der Schule statt, die Vertiefung gibt es als Hausaufgabe. Wenn wir das umkehren, absolviert jeder zu Hause die Videolektionen (in eigenem Tempo). In der Schule ist dann Zeit für die Vertiefung. Das können Wiederholungen sein, Übungen oder Projekte.

Lehrern stehen genügend Daten zur Verfügung, um jeden Schüler individuell zu fördern. Das können sie selbst tun, 1:1 mit dem Kind, oder sie bringen Schüler in Gruppen zusammen, die sich gegenseitig coachen.

Die aktuellen Schulschließungen sorgen zwangsweise dafür, dass das Lernen individueller wird. Allerdings könnte das der Anlass für einen viel größeren Wurf sein.

Wir haben alle Mittel, die nötig sind, um die Schule umzukehren. Das brächte mehr Effizienz und Effektivität für die Schüler und auch eine Aufwertung der Lehrerrolle. Dann könnten sie das Wissen nämlich wirklich vermitteln, statt es nur in den Raum zu stellen.

Sal Khans Idee ist heute noch so aktuell wie vor 10 Jahren.

Hier ist gibt es die Khan Academy auf Deutsch (Klarer Schwerpunkt auf Mathematik).

Die englische Version ist weit umfangreicher und enthält viele andere Fachthemen.

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Wie soll sich das Kind denn so an das Berufsleben anpassen?

Mit “so” ist gemeint: Mit diesem Benehmen.

Das Kind solle nicht alles hinterfragen, nicht aus der Reihe tanzen, sich anstrengen und konzentrieren. Schließlich müsse man das doch später im Berufsleben auch.

Es ging um ein Grundschulkind.

Den meisten Pädagogen geht es tatsächlich darum, die Kinder bestmöglich beim Lernen zu unterstützen. Leider gibt es aber auch solche, die als Maßstab für das “zukünftige Berufsleben” die eigenen Lernerfahrungen von vor 30 Jahren ansetzen.

Tatsächlich werden es eher diese unflexiblen Menschen sein, denen die Anpassung zunehmend schwerer fällt. Die Kinder werden das schon schaffen.

Siehe auch: Hört auf Träume zu stehlen.

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Digitales Lernen für unsere Kinder

Die Förderung von digitalem Lernen wird leider oft als Beschaffungsprogramm für Computertechnik verstanden. Wenn man aber als Lehrer die Hardware zur Verfügung hat, was macht man dann damit?

Wenn sich die Arbeitsmaterialien so radikal verändern, wenn man selbst privat auch wenig mit Digitalen Medien zu tun hat und wenn man trotz allen Wandels immer noch unter Druck steht, die althergebrachten Vorgaben zu erfüllen, dann ist es sicher schwer einen Anfang zu finden.

Auch wir Eltern bauen zusätzlichen Druck auf. Manchen geht es digital nicht schnell genug. Andere würden den „neumodischen Quatsch“ lieber gar nicht erst anfangen.

Wie setzt man digitale Bildung also konzeptionell um? wie nutzen wir die neue Technik sinnvoll? Wer kann uns helfen?

Das „Netzwerk Digitale Bildung“ bietet mit seiner Webseite eine tolle Plattform für Inspiration, Information, konkrete Beratung und Vernetzung.

Hier findet man Beispiele, Webinare, Tipps und Kontakte zur digitalen Bildung.

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Freiheit scheint wieder wichtiger zu werden – aber nicht für alle

Ich beobachte zwei Dinge:

1. Viele Menschen demonstrieren gegen die Corona-Maßnahmen mit der Begründung, sie würden die Freiheit unverhältnismäßig einschränken. Das würde gegen diverse Grundrechte verstoßen

2. Viele Menschen sehnen die Wiedereröffnung der Schulen herbei, was de facto bedeutet, die Schulpflicht im Schulgebäude wird wieder umgesetzt.

Einem Kind die gesetzliche Pflicht aufzuerlegen, zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten zu sein, ist keine Freiheit, auch hier sind die Grundrechte massiv beschnitten. Es gibt keine Pflicht des Staates Bildung bereit zu stellen oder ein Recht der Bürger auf Bildung – nein, es ist umgekehrt. Wer nicht anwesend ist macht sich (bzw. seine Eltern) strafbar.

Dazu kommen aktuell die Abstandsregelungen, und strengere Aufenthaltsbestimmungen. Freunde dürfen sich nicht umarmen, in dem Pausen kann nicht ausgelassen gespielt werden, Klassen werden geteilt, Gänge, Treppen und Aufenthaltsräume ebenfalls.

Ist diese Form von organisiertem Zwangsaufenthalt noch kindgerecht?

Menschenwürdig?

Wie kann man einerseits gegen Freiheitseinschränkungen im Zusammenhang mit Corona demonstrieren, dann aber die Schulpflicht begrüßen, vor allem unter den aktuellen Umständen?

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Schadet Schule unseren Kindern?

Damit habe ich mich in den letzten Tagen stark beschäftigt und ich habe unter anderem gelernt, dass „Framing“ einen unglaublichen Einfluss auf die Antwort hat.

Erzählen wir uns die Geschichte emotional oder schaffen wir es den Fall rational und neutral zu betrachten? Dies ist aber ein Thema für einen anderen Beitrag.

Hier ist das unglaublich schwer doch ich habe es tatsächlich geschafft, bei meiner Aufgabe (es ging um die Erarbeitung einer Entscheidung zu diesem Thema) rational zu bleiben.

Der genaue Anlass ist hier nicht wichtig aber mein Text führte zu Rückfragen. Eben wie Schule unseren Kindern schaden könne. Völlig ohne Vorwurf übrigens, die Frage wurde mir aus aufrichtiger Neugier gestellt.

Auf die Rückfrage habe ich geantwortet und meine Antwort möchte ich gern aufbewahren. Ich denke, dass ich das ganz gut zusammengefasst habe (wenn auch dieses Mal emotional), deshalb poste ich sie hier.


Hi …
thanks for your reply.
Of course I could give you some examples from our life as this is the only thing I can talk about and decide on. Every family and every child is different. That is also why I wouldn’t allow myself proposing on behalf of others. I’m not against school in general, I only would appreciate the possibility to choose without facing legal consequences.

For us it looks like this:
Our two girls are 2 and 9, our boys are 7 and 8. So we have 3 kids at school-age right now.
As you have seen in the table I respect the outcome, school has on social connections. But in the end, they have plenty of contact outside of school too. They have each other, there are other children in our street, they play with, the boys are in the football-club and in the youth fire-brigade.
Our 9-year-old attends music-school and kids-yoga-classes and our youngest also meets same-age-friends (before social-distancing in GER). They also have there grandparents and other relatives nearby. Thats why I’m sure social contact and experience are no problem in our case.

The learning outcomes:
This is kind of a question of belief. We belief, the children’s learning performance is best, when they can follow their interests. They have no chance to do that at school. They have 45min maths, 45min history, 45min biology, 45min german, 45min … We belief this is not how learning works (and we are not alone in this belief, it is quiet common sense, only the public school system keeps it this way).

All of our kids read before they entered school (not Goethe of course but small text-pieces in children’s books) and they also were able to sum up within 1-10. They enjoyed it.

They learned it by themselves during our camping holidays with Tip-Toi-books and with our support. We have read to them loud every evening from their fist weeks of life. It was our ritual. They wanted to learn it and they were so proud. After the first month at school it was gone. No interest in reading anymore.

They also wrote us letters. Not correct of course but it was play for them. They invited us to stage performances, they arranged on their own (circus, including costumes, text, choreography and stage-building). This was also play for them. And in these 1-2 summer-weeks they learned more than in their whole first school year.

Right now my daughter learns sewing. And my youngest son (as simple as that) strongly improves his reading with Super Mario Video Games. It’s a lot of text in there and if he wants to understand he’d better learn.

We encourage that. We take them with us to museums, show them stuff at the computer (eg. Video- and Photo editing), we renovated their Play-House and build their sandbox together where math, art and handicraft is involved (so many possibilities).

If they find a thing of interest, they dive into it deeply. They do nothing else for weeks (we watched that in summer). 45 min this topic and then 45min that topic (like in school) is unnatural.

A long way but this is how we think we can strengthen their self-esteem and their want to live self-determinate. It also leads to their full potential. They try what they love.

At school my son is forced to transcribe a fictional letter from the school-book to improve his hand writing. And he has to sit still for that.

He hates it.

He is 8 years old and wants to run out and play football the whole day. Time will come when he is interested in fine motor skills. Lots of men are surgeons or painters but not at 8. He is full of power now and it has to get out. He could never ever sit still. But he is evaluated for that. He is told that he is not right. And that is what harms their psychological health. Drip by drip for 13 years.

My story is different from yours. I hated school when I was there and I have no (or only little) good memory of that. Maybe I’m biased but it breaks my heart to see my kids suffering a similar way.
Not to get me wrong, our kids do quiet well so far. They are among the best pear group in their classes, well integrated and respected. But even though we see tendencies, that the obedience-trap will catch them.

This was my emotional framing again. And as mentioned before, please don’t take that as a general advice. It’s only our individual story.

Thanks again for your interest.

See you soon
Robert

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