Disruption

Verfahrens- und Verknüpfungsfragen

Ob eine Aufgabe lehrreich ist, hängt entscheidend von der Frage ab.

Die Art der Frage entscheidet nämlich darüber, ob es nur darum geht, ein bekanntes, standardisiertes Verfahren anzuwenden, oder ob eine themenfremde Erfahrung mit einem neuen Problem verknüpft werden kann.

Die Verfahrensfrage fordert uns dazu auf, einen bekannten Weg zu lernen oder zu üben.

Die Verknüpfungsfrage zwingt uns, neue Erkenntnisse selbstständig zu gewinnen. Sie sorgt für echtes Verstehen.

“Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn einen Tag. Bring ihm das Angeln bei und du ernährst ihn ein Leben lang.”

Richtig?

Nein, leider nicht. Vielleicht galt diese Metapher in früheren Zeiten. Heute sind wir von ständigem Wandel umgeben. Was passiert, wenn es morgen keine Fische mehr gibt? Ganze Industrien verschwinden heute durch Disruption binnen weniger Jahre.

Das Training mit Verfahrensfragen konzentriert sich auf ein gegebenes Verfahren: Wie kann ich am besten Angeln?

Besser wäre gewesen, ihn mithilfe des Angelbeispiels zu ermutigen, eigene Lösungen für sein Hungerproblem zu finden. Wie kannst du sonst noch Essen fangen?

Im Grunde stellst du deinem Essen eine Falle und nutzt einen Köder – geht das auch anders, vielleicht mit anderem Essen?

Sobald die Fische wirklich verschwinden, werden ihm diese Erfahrungen helfen, um neue Wege zu finden. Dabei wird er weitaus schneller sein als jemand, der sich allein auf das Angeln spezialisiert hat.

In “Es lebe der Generalist”, belegt David Epstein diese Zusammenhänge anhand von Studien. Warum also Verknüpfungsfragen? Sie sind der Schlüssel, um effektiver zu lernen, kreativ zu sein.

Alles, was wir mit Verfahrensfragen trainieren, können Computer und Maschinen besser. Die Verknüpfung dagegen ist eine menschliche Gabe und künstlich Intelligenz tut sich komplexeren Bereichen noch immer sehr schwer.

Das Transformieren einer Lösung – z. B. von: “Angel-Köder-Fisch” hinzu: “Falle-Köder-Kaninchen” – muss aber langfristig erlernt werden.

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Was, wenn Facebook Europa den Rücken kehrt?

In diesem Artikel hatte ich bereits beschrieben, dass die größten Gefahren für Unternehmen an ihren Rändern, den Schnittstellen, drohen. 

Ich hatte auf Rita McGrath verwiesen, die in Ihrem Buch auch besonders auf Facebook eingeht. Die steigenden Datenschutzanforderungen, vor allem in Europa, würden dem Unternehmen bald Probleme bereiten. 

Genau dieser Konflikt scheint sich nun zu zuspitzen. Nachdem die EU das Privacy-Shield-Abkommen für ungültig erklärt hat (Siehe hier), hat man dem “Netzwerk” jetzt in Irland verboten, die Daten europäischer User in die USA zu transferieren. Quelle: Dieser Artikel auf Vice.com

Facebook habe gedroht, seine europäischen Aktivitäten komplett zu beenden, wenn die irische Behörde nicht einlenke. Es sehe sich ungerecht behandelt, auch im Vergleich zu anderen Technologieunternehmen. 

Stellen wir uns einmal vor, diese Überlegungen würden Realität.  

Was würden die Aktionäre sagen? Wer würde die Lücke füllen? Wem entstünden größere Nachteile, Facebook oder den Europäern? Könnte diese Eskalation eine Lawine auslösen?  

Dass der Konzern auf 420 Mio. User verzichtet, und auf entsprechende Werbeeinnahmen, ist äußerst unwahrscheinlich. Zusätzlich dazu, würde man sein Monopol im Social-Media-Bereich aufgeben. Eine neue “Europäische Plattform”- vielleicht sogar mehrere, wer auch immer die Lücke füllt – würde mehr Wettbewerb bedeuten. Der volkswirtschaftliche Schaden für Europa wäre wohl aber vergleichsweise gering. 

Doch was könnte folgen? Was bedeutet das für andere Daten-Unternehmen (Google, Microsoft, Amazon, Apple)? Würde die US-Regierung mit Maßnahmen gegen Europäische Firmen kontern? 

All das erscheint sehr unwahrscheinlich und auch der verlinkte Artikel, erachtet die angeblichen Drohungen Facebooks, als ziemlich leer. 

Persönlich finde ich es ja interessant zu spekulieren, dies ist aber nicht besonders zielführend. Lieber beschränke ich mich weiter auf das interessierte Beobachten. 

Ich bleibe im Übrigen dabei: Sein Geschäftsmodel, sollte man nicht allein auf Sozialen Medien aufbauen.  

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Disruption und ewige Bedarfe

Ich habe schon öfter geschrieben, dass sich das Geschäftsmodell nicht am Produkt ausrichten sollte, sondern am Nutzen für den Kunden. Zum Beispiel hier: Was ist dein Geschäft? 

In diesem YouTube-Video führt Dr. Mićić den Gedanken auf interessante Art zu Ende. 

Fokussiere dein Geschäftsmodell auf ewige Bedarfe! [Krisen-Chance 03] | Dr. Pero Mićić

Er rät dazu sich auf “ewige Bedarfe” zu konzentrieren. Diese sollten die grundlegenden Motive der Kunden sein und in aller Regel stammen sie aus einem Kreis von 7 Emotionen. 

Egal welches Geschäft, das Grundmotiv unserer Kunden besteht aus einer oder mehrerer dieser Emotionen.  

Disruption entsteht dann, wenn die gleiche Emotion auf andere Art (besser) geliefert wird. 

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Wandel und Verbesserung

Charles Darvin sagte:

Es sind nicht die stärksten oder intelligentesten Spezies die überleben, sondern die wandlungsfähigsten.

Wir Menschen müssen uns als Problemlöser verstehen.

Wir leben in bewegten Zeiten und das einzige was heute sicher ist, ist die Veränderung. Eigentlich war das schon immer so – nur die Geschwindigkeit des Wandels hat zugenommen.

Auf ihn zu reagieren, ihn sogar vorauszusehen ist heute eine der wichtigsten Kompetenzen.

Siehe auch hier: Der Schnee schmilzt an den Rändern

Prozessverbesserung ist die Veränderung zum Besseren. Im optimalen Fall ist das ein kontinuierlichen Prozess.

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Der Schnee schmilzt an den Rändern

Disruption ist für viele Branchen ein Schreckgespenst. Andere wähnen sich noch in Sicherheit.

Es gab sie jedoch schon immer, die Innovationen, durch die ganze Branchen über Nacht obsolet geworden sind.

Die Muskete machte die Ritterrüstung obsolet, das Automobil die Pferdekutsche, der Online-Handel den stationären Handel, Uber das Taxi und AirBnB vielleicht die Hotellerie?

Doch Moment – passierte das wirklich über Nacht?

Natürlich nicht. Jedes Geschäft beruht auf bestimmten Regeln und Annahmen. Manchmal kommt es vor, dass sich diese scheinbar abrupt ändern. Die Branche kommt dann an einen Wendepunkt.

So ein Wendepunkt war z.B. die Vorstellung des iPhone, für die bisherigen Mobiltelefonhersteller (allen voran Nokia). Der mühsam aufgebaute Wettbewerbsvorteil war verschwunden.

Aber gut und schön, dass man nun weiß, dass das Internet und die neuen Technologien für immer mehr und schnellere Disruption sorgen. Wie kann man sich darauf einstellen? Wie hätte man das voraussehen können?

Damit befasst sich Rita McGrath, in Ihrem Buch: „Seeing Around Corners

Sie stellt dort Strategien vor, mit denen man Wendepunkte frühzeitig abschätzen kann und beschreibt auch welche Rahmenbedingungen dazu nötig sind.

Ein Beispiel: Der Schnee schmilzt an den Rändern und so ändern sich auch Rahmenbedingungen.

Dort wo der Kontakt nach außen sehr eng und divers ist, dort kann man Disruption erwarten. Entscheidungsträger sollten sich also auch dort verstärkt um Informationen bemühen.

Facebook strapaziert die Datenschutzbestimmungen immer stärker und skrupelloser – Auf diesem rechtlichen Gebiet könnte man bald an einen Wendepunkt stoßen.

Mobiltelefone wurden immer kleiner und die Tasten immer zahlreicher. Dieselmotoren wurden immer leistungsstärker und trotzdem sauberer? Hier näherte man sich dem Rand des technisch Möglichen.

Diese Grenze hätte man absehen können. Das Mobiltelefone nur noch eine (große) Taste haben und Motore nun elektrisch sein sollen, geschah nur scheinbar plötzlich.

Um Disruption frühzeitig zu erkennen sollte man also die Ränder des eigenen Geschäfts im Auge behalten – die technologischen, personellen, finanziellen prozessualen, rechtlichen Ränder. Überall da wo es eng und warm wird, wird der Schnee (Wettbewerbsvorteil) schmelzen.

Rita McGrath nennt in diesem extrem interessanten Buch noch viele weitere Beispiele und Strategien. Hier ein kurzer Einblick: Seeing Around Corners Book Launch

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Was ist dein Geschäft?

Die Meisten Menschen werden das problemlos beantworten können aber denken wir mal darüber nach.

Ist das gut so oder sollte unser Geschäft lieber etwas anderes sein?

Ray Kroc (Gründer von McDonalds) dachte er wäre im Hamburger-Geschäft und war zufrieden damit. Solange, bis er entdeckt hat, dass er besser im Immobiliengeschäft sein sollte.

Erst diese Strategieänderung verhalf dem Fastfood-Riesen zum Durchbruch.

In diesem Zusammenhang empfehle ich gerne den Film The Founder, über Kroc’s Weg vom einfachen Vertreter zum Gründer von „Amerikas neuer Kirche“.

Was andererseits passiert, wenn man eben nicht versteht was das eigene Geschäft sein sollte, hatte ich hier kurz am Beispiel der Eisenbahn angeschnitten. Sie dachten sie währen im Schienen-Geschäft, hätten aber lieber im Transportgeschäft sein sollen.

Wie sieht es mit lokalen Handwerkern aus. Sie sehen sich im Bäckerei-, Heizungsbau-, Malergeschäft und so weiter. Aus meiner Sicht sollten sie im Erlebnis-Geschäft sein.

Ich glaube die reine Leistung, wird über kurz oder lang von Industrie, Handel oder Online-Plattformen günstiger und verlässlicher erbracht werden. Das kulturelle Erlebnis jedoch – „Leute wie wir, kaufen Brot bei unserem Bäcker“ – das können diese nicht liefern.

Die Uhr tickt jedoch. Wer sich nicht um seine Kunden kümmert, verliert sie. Amazon ist bereits so etabliert, dass keine Kultur der Welt dagegen ankommt.

Sowie auch Ikea.

Sobald der schwedische Möbelhändler entscheidet, auch Maler-, Klempner-, Fliesenleger-, Elektrikerleistungen etc. anbieten zu wollen, ist das Privatkundengeschäft für kleine Handwerker verloren. Es überleben dann nur noch die Großen.

Wie man die Kultur positiv verändern kann habe ich hier auf Regional Digital geschrieben.

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